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Bentner, Ariane & Krenzin, Marie (2008). Erfolgsfaktor Intuition: Systemisches Coaching von Führungskräften. Göttingen: V&R.     Bentner, Ariane & Krenzin, Marie (2008).
Erfolgsfaktor Intuition: Systemisches Coaching von Führungskräften.
Göttingen: V&R.

ISBN: 978-3-525-40323-5
192 S.; 21,90 €
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Rezension von Dr. Klaus Schenck
Das Buch „Erfolgsfaktor Intuition“ ist ein Kaleidoskop: Eine facettenreiche Zusammenstellung von Einsichten in Coaching-Prozesse und die Rolle von Intuition darin. Auch wenn zwischen den Facetten natürlich Fragen offen bleiben und die einzelnen Kapitel auch je nach Autorin sprachlich unterschiedlich ausgestaltet sind, kann sich die Lektüre sowohl für Coachs als auch für Führungskräfte lohnen. Erstere können womöglich ihre Intuition aktiver nutzen und Wirkungen auf Klienten aus deren Sicht weiter kennenlernen. Letztere können sich ein vielfältiges Bild von Coaching-Prozessen machen und damit besser einschätzen, ob es für sie nützlich werden kann, sich darauf einzulassen.

Die Einführung in Kapitel 1 skizziert das Umfeld, aus dem heraus Coaching an Bedeutung gewonnen hat, beschreibt, welche Vielfalt an Funktionen es heute erfüllen kann, und zeigt, wie das Buch aufgebaut ist. Das zweite Kapitel vergleicht „Coaching“ und „Psychotherapie“ („Couching“) und versucht eine Abgrenzung. Zu den Gemeinsamkeiten gehören: die Zielorientierung der Begegnung, dass beide eine Verbesserung der Selbststeuerungsfähigkeit durch Wahrnehmungs-und Verhaltensrepertoire-Erweiterung anstreben, sowie die prozessberaterische Haltung. Die Abgrenzung bleibt dem Versuch zum Trotz etwas willkürlich und unscharf; die mangelnde Trennschärfe liegt dabei wohl schon in der Sache und nicht erst in der Beschreibung.

Kapitel 3 versucht eine Art Paradox: Den so wenig rational wirkenden Begriff der „Intuition“ rational zu ergründen. Schon die Vielfalt der Definitionsversuche von Intuition wirkt genauso wenig rational, klar und durchstrukturiert wie das, was der Begriff selbst bezeichnen soll. Knapp und einleuchtend gefällt die Beschreibung: „Intuition = etwas wissen, ohne zu wissen, warum wir es wissen“. Ob als „innerer Autopilot“, „somatischer Marker“ oder „Geistesblitz“ spielt sie in allen Phasen kreativer und beziehungsgestaltender Prozesse eine wesentliche Rolle. Das Kapitel trägt, wenn auch sprachlich stellenweise eher „diplomarbeits-akademisch“ viel Wissen über „Intuition“ interessant und informativ zusammen.

Kapitel 4 eröffnet eine im Management ungewöhnliche Perspektive: auf den möglichen späteren Einfluss der früheren Geschwisterposition auf das eigene Führungshandeln. Bemerkenswert trotz kleiner Stichprobe: frühe Erfahrungen mit der eigenen Geschwisterkonstellation scheinen später intuitiv wieder gesucht zu werden. Die Interviewausschnitte machen Überlegungen Einzelner zu diesem Thema lebendig.

In Kapitel 5 bietet Ariane Bentner vier Fallstudien aus ihrer Coaching-Praxis mit zweifachem Zweck an: Als Angebot exemplarischer Situationen, die in Coaching-Prozessen vorkommen und relevant sein können, und als Lernfeld ex post: zum Nach-Denken über kontingente, also alternative Deutungs- und Vorgehensweisen im Coaching-Prozess. So können zugleich an Coaching interessierte Führungskräfte mehr über die Vielfalt von Coaching-Vorgehensweisen erfahren, als auch sogar fortgeschrittene Coachs ihr eigenes Interventionsrepertoire erweitern und ihre Reflexionslust vergrößern. Die Beispiele reichen von Mobbing bis zu interkulturellen Unterschieden.

Das sechste Kapitel wechselt die Blickrichtung: Hier geht es um entscheidende Situationen und Interventionen aus Sicht von Klienten. „Was erleben Führungskräfte im Coaching?“, fragte die empirische Studie (und zugleich Diplomarbeit) von Marie Krenzin. Was vom Coach als Werkzeug für Perspektiv-Wechsel genutzt wird, (z.B. zirkuläre Fragen, Arbeit mit der Zeitlinie oder mit den drei Wahrnehmungspositionen) wird von Klienten als Perspektivenerweiterung, als Öffnen neuer Horizonte und Aha-Erlebnis erlebt.

Im letzten Kapitel wird eine Aufstellungsarbeit vorgestellt. Sogenannte „systemische Strukturaufstellungen“ gehen von der Methode des Familienstellens aus, aber in ihrem Repertoire und Anwendungsbereich inzwischen weit darüber hinaus. Das hier geschilderte Beispiel ist schon eher komplex - und zugleich ein schöner Schlussstein für das ganze „Kaleidoskop“.

Auch wenn die „Fugen zwischen den Bau-Steinen“, die unterschiedlichen Aspekte und Qualitäten der einzelnen Kapitel des Buches deutlich sichtbar bleiben, ist doch das „Bauwerk“ insgesamt allen zu empfehlen, die eigenes Führungsverhalten besser reflektieren wollen – sowohl als Führungskraft in Organisationen wie auch als Coach in einer Beratungsbeziehung.
 
Dr. Klaus Schenck
Focus Five Coaching Solutions, Hirschberg
doc.ks@web.de
 
 
 
Rezension von Caro Tille
Die beiden Autorinnen, Dr. Ariane Bentner ist Coach und Lehrbeauftragte an der Berner Fachhochschule für Change-Management und Dipl.-Psych. Maria Krenzin ist Schulpsychologin und Coach, lassen in ihrem Buch kaum eine Frage rund um das Thema Coaching von Führungskräften und den bewussten Einsatz der Intuition offen. Dazu benutzen sie nicht nur die Ergebnisse eigener Forschungsarbeiten, sondern ebenso sehr die Literatur berufener Veränderungs- und Coaching-Päpste wie die von Richard Sennett und Wolfgang Looss, sowie die neuesten Ergebnisse der Hirnforschung zum Thema Intuition.

Die Einleitung umreißt ausführlich das Anliegen: Die Bedingungen für erfolgreiche Führung haben sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verändert. „Was im Zuge der Globalisierung gebraucht wird, ist vielmehr die Fähigkeit, sich ständig auf neue Gegebenheiten flexibel einstellen und mit Komplexität und Unübersichtlichkeit umgehen zu können.“ Um diese Eigenschaften zu entwickeln, ist Coaching eine Institution geworden. Der Coach als Seelentröster, Strategieberater und auch als Ersatz für Beziehungen, die dem Lebensstil zum Opfer fielen, hat seine Aufgabe als ständiger Fortbildner im kontinuierlichen Verbesserungsprozess von Softskills gefunden.

Doch ein richtig guter Coach hat nicht nur eine interdisziplinäre Schnittfeldqualifikation, einen umfangreichen Toolbaukasten voller Veränderungsmethoden und OE-Wissen im Angebot. Die Autorinnen stellen die These auf, dass die Nutzung der Intuition oder emotionalen Intelligenz als Ergänzung zu rein analytisch-rationalem Vorgehen eine wesentliche Kompetenzerweiterung für Coach und Klienten darstellt.

Diese These ist natürlich nicht wirklich neu. Daniel Goleman hob bereits 1995 hervor, dass beruflicher Erfolg genau diese Fähigkeit benötigt. Neben vielen anderen Autoren beweist auch Malcolm Gladwell genau das in seinem belletristisch geschrieben Bestseller „Blink“, und Maja Storch schrieb 2005 ein wunderbares Selbstanleitungsbuch „Das Geheimnis kluger Entscheidungen“.

Was kann dieses Buch mehr bieten? Die Autorinnen stellen mit ihrer eher wissenschaftlichen Herangehensweise jedem Skeptiker des „Bauchgefühls“ eine Fülle von Informationen über anerkannte Theorien, Begriffsklärungen, Untersuchungsergebnisse sowie Beispiele aus ihrer Coaching-Praxis zur Verfügung. – Der Preis ist allerdings eine oft sehr universitäre Sprache.

Da sich beide Autorinnen dem Systemischen Ansatz im Coaching verpflichtet fühlen, erweitern sie die Beschreibung ihres Anliegens mit weiteren, gut nachvollziehbaren und sehr ausführlichen Fallbeispielen aus ihrer Systemischen Praxis.

Was Sie immer schon über Coaching wissen wollten, aber sich nicht zu fragen trauten, die Autorinnen beschreiben es auf 210 Paperback-Seiten komprimiert in ihren Artikeln: Coaching oder Therapie, Definitionen und Ergebnisse der Intuitions- und Emotionsforschung zur Erweiterung unseres Menschenbildes, Systemische Überlegungen im interkulturellen Coaching, ausführliche Fallbeschreibungen mit Darstellungen diverser hilfreicher Coachingtools, Geschwisterposition und Führungsverhalten (Molly von Oertzen), typische Ausgangslagen und Erwartungen von Coaching-Aspiranten, Erfolgsfaktoren von Coaching-Prozessen aus Sicht von Klienten, eine ausführliche Mitschrift einer Systemischen Aufstellung und, und, und.

Überhaupt scheinen sich die beiden Autorinnen kaum entscheiden zu können, was sie dem Leser von ihren umfangreichen Wissen zu den Themen Coaching und Intuition vorenthalten sollen. So gibt das Buch auch erfahrenen Coachs Anregungen und Statistiken genug, ihr professionelles Handeln von allen Seiten kritisch zu beleuchten. Und es inspiriert, die eigene Intuition im Coaching-Prozess noch bewusster zu nutzen und damit auch den Klienten zu ermutigen, sich von seinen Eingebungen überraschen zu lassen.

Dieses Buch kann man nicht einfach durchlesen, es ist mit der Fülle seiner Informationen eher zum Durcharbeiten geeignet. Hilfreich sind dabei die am Anfang jeden Kapitels erläuterten Anliegen der jeweiligen Autorin, die strukturierenden Zwischenüberschriften und die Kapitelüberschriften über jeder Seite. Die ausführliche Literaturliste lädt zum Vertiefen ein.

Fazit: In komplexen, unübersichtlichen Entscheidungsprozessen ist unsere Intuition ein oft verkannter, aber hilfreicher Sparringpartner. Kombiniert mit einem systemischen Blick bedeutet ihre Wahrnehmung und Deutung eine echte Inspiration für den Klienten und den Coach.

Erfolgsfaktor Intuition ist ein leidenschaftlicher und sehr gut recherchierter Appell, professionelles Coaching für den beruflichen Erfolg zu nutzen, und alle involvierten inneren Stimmen mitreden zu lassen.
 
Dipl.-Psych. Caro Tille, Köln
www.carotille.de
 
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