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Rezension*
von Prof. Dr. Michael Stephan und Peter-Paul Gross
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Wer das Werk von Dr.
Rolf
Meier und Axel Janßen zur Hand nehmen möchte, der muss, bei etwa zwei Kilo Gewicht, schon richtig zugreifen. Die über 600 Seiten sind im DIN-A4-Format in einen Hardcover-Umschlag gebunden. Bei ehemaligen Messdienern mögen bei diesem etwas leserunfreundlichen Format leicht Assoziationen an klerikale Werke aufkommen, doch Inhalt und Titel verheißen etwas anderes.
Das Ziel des Buches beschreiben die Autoren mit der Absicht, dem interessierten Leser „…eine Orientierung an(zu)bieten und die kompetenzorientierte Planung einer eigenen Ausbildung (zu) ermöglichen.“ Dazu wurde das Buch in elf Kapitel gegliedert. Auf die Vorstellung einer von den Autoren entwickelten pädagogischen Theorie vom „Selbstorganisierten Coaching“ folgt ein dreiseitiges Grundlagenkapitel in dem das Coaching-Verständnis der Autoren mit dem Curriculum-Modell der Hamburger Schule (dem Ausbildungsinstitut der Autoren) verknüpft wird. Im dritten Kapitel wird das Kompetenzmodell der Hamburger Schule vorgestellt. Nach einer Abhandlung zur Didaktik in einer Ausbildung zum Coach befasst sich Kapitel sechs mit den notwendigen Fähigkeiten eines Coachs. Ein kurzer Exkurs zur „Identifikation von pädagogischer und betriebswirtschaftlicher Qualität“ mündet in Kapitel acht, welches besonders hervorzuheben ist. Auf knapp 30 Seiten geht es um rechtliche, normative und betriebswirtschaftliche Bezüge einer Ausbildung. Für Laien verständlich wird eine paragraphenbasierte Übersicht zur rechtlichen Situation einer Coaching-Ausbildung vorgestellt. Konkret geht es unter anderem um Vertragsvereinbarung, Sorgfaltspflichten und Verantwortlichkeiten. Hervorzuheben sind ein Coaching-Vertrag sowie ein Vertrag für eine Ausbildung zum Coach, die beide als Muster abgedruckt wurden. Im folgenden Kapitel stellen die Autoren ein Modell kritischer Erfolgsfaktoren im Coaching vor.
Zwei Drittel des Buches umfassen die letzten beiden Kapitel. Im ausbildungsbezogenen Wörterbuch werden lexikalisch Begrifflichkeiten erläutert. Im letzten Kapitel werden auf 360 der knapp 670 Seiten des Buchs „Coaching relevante Wissensgebiete“ beschrieben, die, ähnlich einem Nachschlagewerk, in 38 Schlagwortüberschriften gegliedert sind. Unter den Schlagworten finden sich Begriffe wie „Glaube“, „Kreativität“, „Kommunikation“ und „Naturheilkunde“, aber auch „Führung“, „Supervision“ oder „Psychotherapie“. Auf 10 bis 20 Seiten gibt es eine allgemeine Erläuterung zur entsprechenden Begrifflichkeit sowie Verweise auf weiterführende Literatur.
Das Buch richtet sich in erster Linie an Coaching-Praktiker und solche, die es einmal werden wollen und zeichnet am Beispiel der Hamburger Schule nach, wie eine Coaching-Ausbildung konzipiert werden kann. Vor dem Hintergrund von über 260 Coaching-Ausbildungsanbietern mit über 290 Coaching-Ausbildungsgängen im deutschsprachigen Raum (Quelle:
www.coaching-report.de) bleibt es jedoch fraglich, welchen weiteren Beitrag ein Buch zur Ausbildungsgestaltung leisten kann und soll?
Gerade Verweise und Vergleiche des eigenen Ausbildungskonzepts mit Ergebnissen von Studien, die sich mit der Evaluation, Wissensvermittlung und Wirksamkeit von Coaching-Ausbildungen beschäftigen, würden einem Buch mit dem Anspruch eines strategischen Curriculums zu einer Coaching-Ausbildung gut tun.
Unser Fazit: Praktiker, die selbst Coachs ausbilden, werden hilfreiche Anregungen zur Reflexion über ihre Arbeit finden. Für den wissenschaftlichen Leser weist das Buch jedoch Lücken auf und ist daher für diese Lesergruppe nur bedingt geeignet.
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*Zuerst erschienen in der Zeitschrift „Organisationsentwicklung“
(2/11); www.zoe.ch
Prof. Dr. Michael Stephan und Peter-Paul Gross
Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement, Philipps-Universität Marburg
www.uni-marburg.de/fb02
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Rezension von Prof. Dr. Horst Siebert
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Rolf
Meier und Axel Janßen leiten ein Institut, das „systemische Management Coachs“ (SMC) ausbildet. Besonderes Qualitätsmerkmal ihrer „Hamburger Schule“ ist die Unterstützung des selbstorganisierten Coaching.
Die theoretischen Grundlagen, die Basisliteratur, die Techniken des Coaching sowie Fallbeispiele der Ausbildung von Coachs werden in einem 668seitigen, großformatigen und „schwergewichtigen“ Standardwerk ausführlich und leserfreundlich dargestellt.
Der konzeptionelle Rahmen lässt sich stichwortartig wie folgt skizzieren:
Das zugrunde liegende Menschenbild ist die autonome, selbstverantwortliche Persönlichkeit. Coaching dieser Art unterscheidet sich von Therapien, Trainings und „autoritären Stilen“. Ziele sind die Erweiterung von Wahrnehmungen und Entscheidungsfähigkeiten sowie die Erprobung von neuen Handlungsmöglichkeiten. Theoretisches Fundament ist das systemisch-konstruktivistische Denken. Der Konstruktivismus ist eine neurobiologisch begründete Erkenntnistheorie, die belegt, dass wir die Welt nicht wahrheitsgemäß „abbilden“, sondern dass wir tagtäglich eigene Wirklichkeiten „erzeugen“. Auch die Welten der Ausbilder, der Coachs und der Coachees sind beobachtungsabhängig und damit relativ. Während der Konstruktivismus auf die individuellen neuronalen Netzwerke aufmerksam macht, betont das systemische Denken die sozialen und kulturellen Kontexte unseres Fühlens, Denkens und Handelns.
Systemisch-konstruktivistische Schlüsselbegriffe prägen alle Ebenen des Coaching-Modells der „Hamburger Schule“. Unsere Wirklichkeitskonstruktion basiert auf Motiven, Bedürfnissen und Werten. Grundlegende Werte des Coaching sind Freiheit, Freiwilligkeit, Ressourcenverfügung und Selbststeuerung.
Dieses Coaching-Modell ist kompetenzorientiert. Schlüsselkompetenzen des Coachees, der Coachs und auch der Ausbilder sind fachlich-methodische Kompetenzen, sozial kommunikative Kompetenzen, Feldkompetenzen, personale Kompetenzen und Handlungskompetenzen. Kompetentes Handeln erfordert Transferleistungen, d.h. die Übertragung des Gelernten auf Praxissituationen.
Diese Kompetenzen erfordern Lernprozesse besonderer Art. Lernen ist – konstruktivistisch betrachtet – ein selbstorganisierter Prozess, der neuronale und kognitive Vernetzungen fördert und Perspektivenwechsel ermöglicht. Nachhaltiges Lernen wird durch die Verknüpfung von Kognitionen, Emotionen und Handlungen unterstützt.
Diese Vernetzung ist charakteristisch für das „MVWK-Modell“ der Hamburger Schule, d.h. für den Zusammenhang von Motiven, Werten und Verhalten.
Um die genannten Schlüsselkompetenzen zu erweitern wird eine Lernzieltaxonomie vorgeschlagen. Eine Taxonomie ist eine Stufung qualitativ unterschiedlicher Lernebnen, nämlich a) faktisches Wissen, b) kontextbezogenes Anwendungswissen, c) reflexive Selbstevaluation, d) konstruktivistischer Lerntransfer.
Unterschieden werden mehrere Coaching-Anlässe und Themen, z.B. Elterncoaching („Ich möchte meinen Kindern mehr Freiraum geben“), „Führungskraft in turbulenten Strukturen“ oder Change-Management-Situationen. Empfohlen wird ein bestimmter Ablaufplan der Coaching-Treffen: 1. Phase „Kontakt und Kontrakt“, 2. Phase „Thema- und Zielklärung“, 3. Phase „Ressourcenidentifikation“, 4. Phase „Entwicklung von Handlungsalternativen“.
Die Qualität des Coaching wird pädagogisch, aber auch betriebswirtschaftlich kommentiert. Deshalb sind Überprüfungen der Coachingkompetenzen am Ende der Ausbildung von besonderer Bedeutung. Diese Prüfungen können aber nur bedingt die Transferleistungen der ausgebildeten Coachs in der Praxis antizipieren. Ein Qualitätsmerkmal des Coaching ist Veränderung, und zwar der Coachs ebenso wie der Coachees.
Dieses „Handbuch“ verbindet theoretische Schlüsselbegriffe mit zahlreichen Praxisbeispielen. Es enthält viele didaktisch-methodische Anregungen und einen detaillierten „Ausbilderleitfaden“ für ein Modul. Anschauliche Grafiken und Schemata erleichtern eine Strukturierung. Ein ausführliches juristisches Kapitel behandelt die relevanten Gesetze, z.B. zum Datenschutz. Von praktischem Nutzen sind auch die Zertifizierungsvorschläge.
Der Hauptteil wird ergänzt durch ein ausführliches, fachlich-kompetentes „Wörterbuch“ sowie durch 38 „coachingrelevante Wissensgebiete“, z.B. Führungswissen, Konstruktivismus, Marketing, Neuro-linguistisches Programmieren, Supervision. Einige dieser Artikel sind jedoch nur lose mit dem Coachingthema verknüpft (z.B. „Glaube“, „Logik“, „Naturheilkunde“, „Werte-Lichtspiele“).
Das Buch enthält mehr Dimensionen, Anregungen und Perspektiven, als es der Titel andeutet. Der Curriculum-Begriff weckt bei vielen vermutlich Erinnerungen an stoffliche schulische Lehrpläne. „Strategisches Curriculum“ meint hier dagegen ein prozesshaftes „dramaturgisches“ Konzept. Konstruktivistisch betrachtet ist das Lesen eines solchen Buches ein konstruktiver, individueller und emergenter Vorgang.
Auch die Lektüre dieser Publikation ist abhängig von den Vorkenntnissen, Erfahrungen, Verwendungssituationen der Leser/innen. Deshalb ist meine Meinung nicht zu verallgemeinern. Ich habe dieses Buch mit großem Erkenntnisgewinn und Interesse gelesen. Inhaltlich habe ich nur wenige Einwände (z.B. ist Lernen meines Erachtens nicht nur ein „bewusster“ Prozess, S. 61; „Humor“ halte ich nicht für ein „hinderliches Motiv“, S. 45).
Der konstruktivistische Blick erscheint mir in diesem Buch produktiver und praxisrelevanter als die systemische Sicht. So kann z.B. die Coach-Coachee-Situation noch ausführlicher systemisch interpretiert werden.
Für die Lektüre eines solchen umfangreichen Buches benötigt man viel Zeit. Sicherlich wäre für manche Leser eine Kurzfassung wünschenswert.
Soweit ich die Coaching-Literatur überblicke, scheint mir diese Publikation ein klassisches Standardwerk zu sein, das für alle pädagogisch Interessierten lesenswert ist.
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Prof. Dr. Horst Siebert
Leibniz Universität Hannover
Abteilung Erwachsenenbildung
horst.siebert@ifbe.uni-hannover.de
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Zur Rezension der 1. Auflage
des Buches
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